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Pauschal-Patient? Gibt es nicht!

Blog: Patientenzentrierung in Deutschland

25.09.2018
— Bianca Eichner 

Dieser massive Einschnitt kündigte sich nicht an. Er war plötzlich da. Ungefragt. Und veränderte alles. Der nächste Urlaub, der Geburtstag der besten Freundin – all das rückte in den Hintergrund. Omnipräsent war nur noch die Angst, die Ungewissheit, die Frage „Warum ich?“. Caroline erhält die Diagnose Krebs.

Schwerwiegende Erkrankungen haben viele Gesichter und hinter ihnen verbergen sich unzählige individuelle Schicksale. Medikamente können diese Leben und Schicksale beeinflussen. Doch reicht der pharmazeutischen Industrie das schon lange nicht mehr. Sie haben ihre Verantwortung erkannt und den Anspruch, Partner bei der Bewältigung und dem Leben mit einer Erkrankung zu sein. Und fokussieren ihr Handeln nach außen nicht mehr rein auf den Arzt – sondern auch auf Menschen wie Caroline. Oder auf „Patienten“?

Man muss mit den Patienten sprechen, nicht über sie

Aus meiner Sicht ist das eine essentielle Fragestellung. Entwickle ich einen Service für „Pauschal-Patienten“ und eben nicht für Caroline, dann habe ich vermutlich mit keinen der betroffenen Menschen und Angehörigen selbst, sondern nur über sie gesprochen. Ich habe es verpasst, in eine echte Insight-Gewinnung oder Patient Journey zu investieren. Für WE Communications ist dieser analytische Part ein essentieller Bestandteil unserer Arbeit. Wir müssen den Menschen greifbar machen, denn nur dann können wir Aktivitäten, Services, Tools oder Applikationen entwickeln, die ankommen, einen Nutzen haben – die den ehrlichen Anspruch haben, zu helfen.

Aber: Füllt dieses tiefe Zielgruppenverständnis bereits das häufig bemühte Trendwort der pharmazeutischen Industrie „Patientenzentrierung“ aus? Es gibt keine allgemeingültige Definition für Patientenzentrierung, aber nach meinem Verständnis sollte sie lauten: „Ziel allen Handelns muss konsequent der daraus entstehende Nutzen für den Patienten sein.“ Je nachdem wie ernst Patientenzentrierung im Unternehmen genommen wird oder wie tief sie tatsächlich im Business Modell verankert ist, kann sie jedoch unterschiedliche Ausrichtungen und damit auch Intensität haben. Wir arbeiten mit verschiedenen Unternehmen an mannigfachen Aufgaben. Wie sich diese gestalten, hängt von verschiedenen Faktoren und Fragestellungen ab: Wie ist die firmeneigene Definition von Patientenzentrierung, wo ist das Thema im Unternehmen aufgehängt, wo will das Unternehmen letztlich hin.

Auf globaler Ebene gibt es in der Industrie Chief Patient Officer oder Chief Patient Affairs Officer und viele weitere neue Titel, die ähnlich aufregend klingen und in der Vorstandsebene aufgehängt sind. Diese Positionen wurden geschaffen, um den Patienten in den Mittelpunkt des unternehmerischen Handels zu stellen. Das ist ein neues Business Modell im Vergleich zum Multi-Stakeholder- oder Arzt-zentriertem Ansatz. Das ist meines Dafürhaltens in Deutschland in aller Konsequenz noch neu und ein tiefer Wandel, wenn dieses Modell sich durchsetzt.

Unsere Umfrage bestätigt: Patientenzentrierung ist wichtig!

Unsere 2018 durchgeführte Umfrage „PACE“ in Kooperation mit pharma relations hat gezeigt: Patientenzentrierung ist für die meisten Unternehmen in Deutschland wichtig, 90 Prozent der befragten Firmenvertreter gaben an, dass sie zentraler Dreh- und Angelpunkt der unternehmerischen Tätigkeiten sein sollte (48 Prozent) oder als wichtig angesehen wird (42 Prozent). “Aber nur 2 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass viele Unternehmen die Maßgabe bereits in allen Geschäftsbereichen leben und Patientenzentrierung in den Köpfen der Mitarbeiter verankert ist.

Ein Wandel geschieht nicht von heute auf morgen. Und wie er sich letztlich in der Gänze vollziehen wird, bleibt abzuwarten. Wir setzen uns mit unseren Möglichkeiten und unserer Expertise in der Zwischenzeit konsequent dafür ein, dass wir für unsere Kunden Maßnahmen entwickeln, von denen Caroline profitiert. Denn das ist ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg, den einzelnen Menschen und nicht „den Patienten“ in den Mittelpunkt zu stellen.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse unserer PACE Studie finden Sie in unserer Pressemitteilung. Die gesamten Umfrageergebnisse stellen wir Ihnen hier zur Verfügung.

In unserem Blogbeitrag Patient Centricity: Was Patientenorganisationen von Pharmaunternehmen erwarten“ haben wir unsere Umfrageergebnisse zudem der globalen Umfrage PatientView gegenübergestellt.