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KOMMUNIKATION – UND ZWAR MIT UND FÜR DEN PATIENTEN

Blog: Patientenzentrierung in Deutschland

01.10.2018
— Sandra Siewert 

Pharmaunternehmen entwickeln Behandlungsmethoden für die komplexesten und folgenschwersten Krankheiten. Patienten- und Selbsthilfeorganisationen spielen dabei in jeder Phase der Erforschung neuer Arzneimittel eine besondere Rolle. Angefangen bei der Planung klinischer Studien bis hin zur Markteinführung von Medikamenten – für Unternehmen gilt es, in einen konstruktiven und kontinuierlichen Dialog mit Patienten zu treten. Doch gerade, wenn es um die konkrete und zielgerichtetet Kommunikation mit den Patienten geht, besteht weiterhin Verbesserungspotential.

Kommunizieren, wo der Patient nach Antworten sucht

Kommunikation und der Dialog mit anderen gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Das gilt insbesondere dann, wenn die eigene Welt durch eine Diagnose ins Wanken gerät. Dabei geht es vor allem um emotionalen Halt und den Austausch von Erfahrungen, Meinungen von Experten, oder einfach nur darum, einen guten Zuhörer zu haben. Menschen, bei denen kürzlich eine Erkrankung diagnostiziert wurde, suchen daher an vielen Orten nach Unterstützung. Längst zählen soziale Netzwerke und Internet-Foren zu häufigen Anlaufstellen. Kampagnen, die soziale Medien und digitale Kanäle berücksichtigen, erreichen Menschen dort, wo Antworten gesucht werden und ermöglichen so die Vernetzung von und mit Patienten. Die Plattform Leben mit CED des Biotechnologie- und Pharmaunternehmen AbbVie klärt Patienten beispielsweise nicht nur über chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (kurz CED) auf, sondern bietet auch eine Plattform zur Vernetzung und zum Austausch von Erfahrungen.

DER KRANKHEIT EIN GESICHT GEBEN

Patienten haben oft einen langen Leidensweg bis zur richtigen Diagnose hinter sich. Viele möchten über ihre Erlebnisse berichten, um auf die Krankheit aufmerksam zu machen und Menschen mit derselben Diagnose emotional zu unterstützen. Die Betroffenen geben der Krankheit so ein Gesicht, sie wird greifbar – und der Patient selbst erhält eine Stimme, kann seine Geschichte erzählen und den Menschen hinter der Diagnose zeigen. Unternehmen können und sollten die Patientengeschichten (mit)erzählen, beispielsweise in Form von Videos mit Patienten-Testimonials oder Social-Media-Kampagnen. Ein gutes Beispiel ist hier die „Ein JA Kann“-Kampagne von Janssen, die persönliche Geschichten von Patienten, die bspw. von Plaque-Psoriasis betroffen sind, aufgreift und erzählt.

Dauerhafter Austausch auf allen Kommunikationskanälen

Wir leben in einer technologiegetriebenen Welt, in der nichts mehr ohne Social Media zu funktionieren scheint. Gute Kommunikation findet aber nicht nur online, sondern über alle Kanäle hinweg statt – das gilt auch für das persönliche Gespräch. Von einem Treffen der wichtigsten Stakeholder im kleinen Kreis, über ein Symposium, bis hin zu einem Patientenkongress, gibt es hier zahlreiche Möglichkeiten für Unternehmen, Impulse für den persönlichen Austausch zu setzen. Das Entscheidende ist, den Patienten, Betreuern und Medizinern die Gelegenheit zu geben, Erfahrungen und Informationen in einem nicht-medizinischen Umfeld auszutauschen. Kontinuität ist dabei der wichtigste Faktor. Einmal-Initiativen sind nicht authentisch und schießen dabei meist am Ziel vorbei.

Die Einbeziehung von Patientenorganisationen ist deshalb von großer Bedeutung, weil diese das Interesse des Patienten in den Vordergrund rücken und Informationen, Ressourcen und emotionale Unterstützung bieten. Darüber hinaus sind sie integraler Bestandteil von medizinischen Aufklärungskampagnen, die Patienten mobilisieren und die politische Agenda vorantreiben. Dank der Interessensvertretungen haben Patienten heute Zugang zu einer großen Informationsvielfalt und können besser über Behandlungsmethoden für ihre Erkrankung mitbestimmen. Um die Patienten enger einzubinden, muss die Healthcare-Branche jedoch langfristige strategische Kommunikationspläne zur Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern entwickeln. So kann sie konstruktive Patientenbeziehungen aufbauen, wertvolle Erkenntnisse für die Entwicklung von Arzneimitteln gewinnen und sich als vertrauenswürdiger Fürsprecher im Behandlungsparadigma positionieren.

Mehr zum Thema Patientenkommunikation und Patientenzentrierung gibt’s hier.